Ein Kleinstädtchen irgendwo im Niemandsland – eine Großfamilie, die dort ihren Alltag zwar mit Geldsorgen aber dennoch guter Laune meistert – und aus heiterem Himmel ein Erbschaft, die diese Idylle ganz schön durcheinander bringt. Sitte und Moral sind oberste Grundsätze des Familienoberhauptes Prof. Dr. Nägler. Genau diese geraten durch das Testament seiner seligen Schwester beabsichtigt in Gefahr. Der Gedanke, sämtliche finanziellen Nöte mit einem Schlag zu beseitigen und gleichzeitig als Wohltäter in die Stadtgeschichte einzugehen, verführt den Moralisten dazu, die an das Testament geknüpfte Bedingung erfüllen zu wollen: die Geburt eines unehelichen Kindes durch ein Mitglied seiner Familie. Der praktischerweise schon vorhandene Verlobte seiner 16-jährigen Tochter macht diese Vorhaben nicht unbedingt einfacher. Bei dem Versuch, ihm die „Erfordernisse“ des Augenblicks zu verdeutlichen, versteigt sich Nägler in phantasievolle Gleichnisse, die allerdings nicht zum gewünschten Erfolg führen. Dennoch ist nicht aller Tage Abend….
Die 1945 in New York uraufgeführte Komödie von Curt Goetz illustriert voller Ironie ein schelmisches Kräftemessen von tugendhafter Moral und menschlicher Versuchung. Sie besticht durch die klare Herausarbeitung der Charaktere sowie durch gewitzt geistreiche Dialoge. Augenzwinkernd nimmt Goetz mit dieser Satire die vordergründige Moral des gutsituierten Bürgentums aufs Korn. Die Überarbeitung des Einakters „Die tote Tante“ hatte auch in der Verfilmung mit dem Autor und dessen Frau in den Hauptrollen großen Erfolg.